ZUFALL auf der BVL Supply Chain CX: Drei Perspektiven auf die Zukunft der Logistik

ZUFALL auf der BVL Supply Chain 2025Wie sieht eine enkelfähige Logistik aus?

Diese Frage stand im Zentrum unseres Auftritts auf der diesjährigen BVL Supply Chain CX. Mit drei Speaker:innen, drei Themen und einem gemeinsamen Ziel haben wir gezeigt, wie wir bei ZUFALL Zukunft gestalten: praxisnah, menschenzentriert und mit dem Mut, Dinge neu zu denken.

Circular Economy: Vom Abfall zur Verantwortung

Unser CEO, Peter Müller-Kronberg, richtete gemeinsam mit Philipp Brunotte (LiBCycle GmbH), Thomas Tappertzhofen (PreZero) und Moderator Dr. Matthias Ballweg (CIRCULAR REPUBLIC by UnternehmerTUM) den Blick auf die Circular Economy – und darauf, wie sie als Geschäftsmodell in der Logistik verankert werden kann. Dabei betonten die Panellisten, dass es in der Kreislaufwirtschaft nicht primär um CO₂-Reduktion geht, sondern um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die eigentlichen Treiber sind Resilienz, Kostenstabilität und die zunehmende Abhängigkeit Europas von knappen Rohstoffen.

„Unsere Kund:innen fragen heute nicht mehr, wie wir Abfall entsorgen – sie fragen nach konkreten Materialien. Die Kette hat sich umgedreht“, erklärte Thomas Tappertzhofen.
Ein Beispiel dafür ist die Partnerschaft mit LibCycle im Bereich Batterierecycling. Hier bringen wir unsere Logistikexpertise ein, entwickeln aber gleichzeitig neue Kompetenzen – gemeinsam mit dem Kunden, nicht für ihn. „Wir recyceln nicht nur Materialien, wir entwickeln neue Lösungen – und zwar dort, wo sie gebraucht werden.“

Unser zufall.lab spielt dabei eine zentrale Rolle: Es schafft den nötigen Freiraum, um außerhalb des eng getakteten Tagesgeschäfts zu experimentieren, zu lernen und neue Geschäftsmodelle zu testen. „Der Wandel ist im operativen Geschäft kaum möglich – dafür sind die Prozesse zu stark definiert“, berichtete Peter. „Aber im zufall.lab können wir gemeinsam mit unseren Kund:innen neue Wege gehen.“

Statt auf starre Quoten oder regulatorische Vorgaben zu setzen, plädiert er für einen anderen Fokus: „Die Nachfrage ist unser Schlüssel. Es gibt keine Plug-and-Play-Lösungen – aber es gibt die Bereitschaft, gemeinsam zu lernen, schnell zu testen und auch mal zu scheitern. Fail fast, fail cheap – das ist unser Ansatz.“

Die Take-aways liegen auf der Hand: Circular Economy ist kein Selbstzweck, sondern eine Haltung. Sie beginnt mit der Frage nach Verantwortung – gegenüber Ressourcen, gegenüber der Gesellschaft und gegenüber den nächsten Generationen.

 

Aging Workforce: Exoskelett statt Exit

In dieser Session widmete sich ZUFALLer Lenn zusammen mit Adrian Bühring (KOMPASS360°), Prof. Dr. Matthias Klumpp (Universität Bremen) und Moderatorin Nina Dönhoff (Seifert Logistics Group) der Frage, wie wir mit dem demografischen Wandel in der Logistik umgehen können.

Gemeinsam mit dem Start-up EASE und dem Team von KOMPASS360° haben wir in den letzten Monaten verschiedene Exoskelette im operativen Einsatz getestet, die körperlich entlasten sollen – insbesondere beim Heben schwerer Gewichte. Die Ergebnisse waren vielschichtig: Während die Technologie grundsätzlich Potenzial zur Entlastung bietet, zeigte sich auch, dass viele Modelle noch zu sperrig und unhandlich für den durchgetakteten Arbeitsalltag auf der Halle sind.

In der Session auf der CX stellte Adrian klar, dass technologische Lösungen niemals isoliert betrachtet werden dürfen: „Ein Exoskelett ist immer die letzte Instanz. Zuvor müssen wir Prozesse hinterfragen, strukturelle Verbesserungen prüfen und verstehen, wo die Belastung überhaupt entsteht.“ Die Grundlage dafür sei eine präzise Messung physischer Belastung – nicht nur zur Analyse, sondern auch, um Mitarbeitenden den Nutzen neuer Technologien spürbar zu machen. „Verständnis ist die Grundlage für alles“, so Adrian.

Lenn berichtete aus unseren Praxistests mit verschiedenen Exoskelett-Modellen: „Die Entlastung ist da – aber die Geräte sind oft sperrig und lassen sich nicht konsequent in den Arbeitsalltag integrieren.“ Dennoch sieht er Parallelen zu anderen Technologien, die sich durchgesetzt haben: „E-Hubwagen waren anfangs auch ungewohnt – heute sind sie nicht mehr wegzudenken.“ Für ihn steht fest: „Wir dürfen nicht nur die Symptome managen, sondern müssen die Arbeitsbedingungen grundsätzlich verbessern – für eine Logistik, die auch für kommende Generationen tragfähig ist.

Prof. Dr. Klumpp ergänzte die Diskussion um eine wichtige Perspektive: „Ein Exoskelett, das 15 Prozent entlastet, darf nicht dazu führen, dass Mitarbeitende 15 Prozent mehr leisten müssen.“ Effizienzgewinne sollten auch zur Erholung beitragen. Für ihn sind Investitionen in Technologien wie Exoskelette oder Messsysteme ein Zeichen von Wertschätzung – und ein strategischer Hebel, um die Attraktivität der Branche langfristig zu sichern. „Je besser die Arbeitsbedingungen, desto höher die Bereitschaft, diese Jobs auszuführen. “

Am Ende waren sich alle Diskussionsteilnehmer:innen einig: Technologische Innovationen können einen Beitrag leisten – aber nur, wenn sie in ein ganzheitliches Verständnis von Arbeit, Gesundheit und Wertschätzung eingebettet sind.

#BockaufLogistik: Zwischen Arbeitskleidung und Unternehmenskultur

In der Session ging es um Unternehmenskultur – und darum, wie sie im Alltag sichtbar wird. Teilnehmer:innen der Session waren neben unserer ZUFALLerin Henrike auch Dario Wilding (kununu), Hendrik Kempfert (Bonisoft) und Moderator Prof. Dr. Martin Schwemmer (Hochschule Heilbronn).

„Arbeitskleidung kann ein starkes Zeichen sein – wenn sie nicht zur Uniform wird, sondern Zugehörigkeit ausdrückt“, erklärte Henrike. Am Beispiel unseres zufall.labs wurde deutlich, wie das gelingen kann: Dort tragen Mitarbeitende bewusst dieselbe Kleidung wie die Kolleg:innen in der Halle. Nicht, um Unterschiede zu verwischen, sondern um Augenhöhe und gegenseitigen Respekt sichtbar zu machen.

Und Hendrik Kempfert ergänzte, dass Kultur nicht verordnet werden kann. „Kultur entsteht nicht top-down. Sie muss vorgelebt werden – durch Haltung, durch Verhalten, durch echte Beteiligung.“ Besonders im Umgang mit unterschiedlichen Generationen sei es wichtig, nicht in Stereotypen zu denken. „Generationen sind viel weniger homogen, als man oft annimmt. Deshalb brauchen wir Räume für Austausch und Mitgestaltung.“

Die Session zeigte: Kultur ist kein Projekt, sondern ein Prozess. Und sie beginnt dort, wo Menschen sich gesehen, gehört und eingebunden fühlen.

 

Auf dem roten Sofa: Perspektivwechsel mit Peter

Auf dem „Roten Sofa“ der DVZ sprach Peter außerdem über das, was ZUFALL ausmacht – und was uns von anderen unterscheidet. „Wir sind nicht nur Logistiker, wir sind Berater:innen auf Augenhöhe. Unser USP ist die Nähe zum Kunden – und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, statt sie von der Stange zu liefern.“ Dabei denken wir Kreislaufwirtschaft nicht nur in Bezug auf Materialien, sondern auch in Bezug auf Mitarbeitende, Services und Kundenbeziehungen.

Ein zentrales Thema war auch der Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Für Peter ist klar: „Wir müssen unterscheiden, welche Kompetenzen wir im Unternehmen aufbauen wollen – und wo strategische Partnerschaften sinnvoller sind.“ Es gehe nicht darum, alles selbst zu machen, sondern darum, die richtigen Fragen zu stellen: Wie abhängig wollen wir uns von externen Dienstleistern oder Services machen? Und wo können wir gemeinsam mit anderen schneller und besser sein?

Die Rolle der Logistik sieht Peter dabei klar definiert: „Wir tragen Verantwortung – für Ressourcen, für Menschen und für die Zukunft. Enkelfähige Logistik ist kein Schlagwort, sondern unser Anspruch.“ Was ZUFALL dabei anders macht? Ein weniger hierarchischer Aufbau, mehr Raum für Mitgestaltung – und das zufall.lab als Ort, an dem Transformation konkret wird. „Damit Wandel gelingt, braucht es Führungskräfte, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – und Mitarbeitende, die mitgestalten dürfen.“

Fazit: Zukunft entsteht im Dialog

Ob Exoskelett, Unternehmenskultur oder Circular Economy – die Sessions auf der BVL Supply Chain CX haben gezeigt, dass die Zukunft der Logistik dort entsteht, wo Menschen, Technologie und Haltung zusammenkommen. Wir danken allen, die mit uns diskutiert, ausprobiert und weitergedacht haben. Der Wandel ist da – und wir gestalten ihn mit.