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90 JAHRE ZUFALL

"Ohne Personal ist Dienstleistung nicht möglich"

12.12.2018

Die deutsche Wirtschaft boomt. Das beschert der Logistikbranche Mengensteigerungen, wie Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL), berichtet. Dennoch sorgt dieser an sich positive Effekt bei Marcus Scholz, Bereichsleiter Landverkehre Deutschland bei der ZUFALL logistics group, auch für Stirnrunzeln. Zwei Interviews zur aktuellen Marktsituation in der Logistik.

Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die derzeitige Marktsituation der Logistik dar?

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer: Die Logistik in Deutschland ist gut aufgestellt und hochinnovativ. Potentiale gibt es bei Verkehrs- und digitaler Infrastruktur, bei digitaler Transformation sowie Qualifizierung und Image des Wirtschaftsbereichs. Konjunkturell gesehen hat die Logistik vom wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland und der Weltwirtschaft profitiert. Protektionistische Tendenzen und Handelsbarrieren werden nun aber zu einem Dämpfer. Das spiegelt sich auch im BVL-Logistik-Indikator für das zweite Quartal wider.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Herausforderungen, etwa den Fahrermangel, die Maut und den Kostendruck?

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer: „Digitales trifft Reales.“ Ohne gutes Personal ist Dienstleistung nicht möglich – egal in welchem Sachgebiet. Fahrer- und Fachkräftemangel stehen schon seit 2017 auf der Agenda – wie schon damals 82 Prozent der befragten Logistikdienstleister im Rahmen einer Umfrage angegeben haben. Logistiker müssen noch Antworten auf diese Situation finden. Der Kostendruck hingegen ist ein ständiger Begleiter. Kosteneffiziente, nachhaltige Prozesse zu entwickeln, gehört zum Kern des Logistikwissens. Schwierig wird es, wenn sich Unternehmen neuen Methoden und Möglichkeiten, zum Beispiel aus der Digitalisierung, verschließen.

Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie, um damit umzugehen?
Welche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie darüber hinaus für die Zukunft, etwa mit Blick auf das Image der Logistik?

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer: Die Digitalisierung bietet große Chancen, um monotone Tätigkeiten zu automatisieren und Abläufe zu beschleunigen. Man gewinnt Reaktionszeit und verbessert die Planungsgenauigkeit. Durch Transparenz und Kooperation über Unternehmensgrenzen hinaus werden Effizienz und Produktivität verbessert. Durch den Aufbau und die Pflege der eigenen Marke werden attraktive Bilder vermittelt. Diese helfen, im Kampf um Arbeitskräfte bestehen zu können. Auch der Öffentlichkeit sollte ein klares Bild von den Chancen des Wirtschaftsbereichs Logistik vermittelt werden. Lassen Sie uns gemeinsam aktiv werden.

Die boomende Wirtschaft stellt die ZUFALL logistics group vor wachsende Herausforderungen. Können Sie uns das erklären?

Marcus Scholz: Die Situation am deutschen Stückgutmarkt – und damit unsere – ist angespannt. Das vergangene Frühjahr und insbesondere der Mai mit den feiertagsbedingt kurzen Wochen und den damit verbundenen Auftragsspitzen führte in allen Netzwerken zu erheblichen Engpässen. Der Fachkräfte- und insbesondere der Fahrermangel, das stark wachsende B2C-Geschäft sowie eine hohe Mengenvolatilität, gepaart mit einer teils maroden Verkehrsinfrastruktur, stellen uns vor große Herausforderungen. Auch wenn sich die Lage etwas entspannt hat, bleibt die Frage, ob die Versorgungssicherheit für die deutsche Wirtschaft langfristig noch gewährleistet werden kann. Wenn nicht alle Beteiligten gemeinsam etwas unternehmen, reißt die Logistikkette an ihrer schwächsten Stelle.

Welche Maßnahmen hat ZUFALL ergriffen, um das zu verhindern?

Marcus Scholz: Wir haben bereits einige Maßnahmen eingeleitet, die wir noch weiter ausbauen werden. Wir setzen verstärkt auf Ausbildung, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Zum Beispiel ist die Ausbildung von Berufskraftfahrern in Fulda und seit diesem Jahr auch in Göttingen ein erster Schritt. Der Ausbau des eigenen Fuhrparks im Nah- und Fernverkehr ist eine weitere bereits eingeleitete Maßnahme. Zudem stärken wir die Zusammenarbeit mit Festcharterunternehmen und forcieren unsere Beziehungen in den Stückgutnetzwerken. Allerdings werden diese Maßnahmen die strukturellen Probleme in der Logistikbranche nicht beheben. Wir müssen uns mittel- bis langfristig auf diese Herausforderungen einstellen.

Schafft ZUFALL das alleine?

Marcus Scholz: Wir wollen mit unseren Kunden über die Herausforderungen in der Wertschöpfungskette und deren Ursachen offen sprechen. Unsere Aufgabe wird sein, klar aufzuzeigen, welche Auswirkungen ein Riss der Logistikkette für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben würde. Nur wenn wir unsere Kunden dafür sensibilisieren, dass die Überlastung des logistischen Kreislaufs unsere Arbeitsabläufe und die Wertigkeit unserer Produkte bedroht, werden wir Kooperationsbereitschaft ernten. Diese muss zu einer engeren Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Handel, den Verladern und unseren Stückgutnetzwerken führen. Indem wir beispielsweise gemeinsam an der Mengensteuerung arbeiten, Netzwerkkapazitäten optimieren und den Fachkräftemangel angehen. Und letztlich die Erkenntnis prägen: Top-Logistik ist etwas wert.