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Elektromobilität

Lautlos in die mobile Zukunft

08.08.2018

Wer schon mal ein E-Auto gefahren hat, weiß: Die Fahrzeuge spurten schnell, sind lautlos und vor allem gut für das grüne Gewissen. Zudem ist der Wandel hin zur E-Mobilität längst politisch beschlossen. Eine Tatsache, der sich der Güterverkehr in Deutschland und Europa stellen muss. Tests mit Elektro-Riesen auf drei Achsen laufen. Auch die ZUFALL logistics group hat dazu einen Feldtest unternommen.

Der E-Lkw des Schweizer Herstellers E-Force rollt lautlos um die Ecke, hält vor einemSupermarkt in der Rhön. Dr. Christoph Helmke vom ZUFALL-Standort Fulda betreut für den Logistikdienstleister den zweistufigen Test. „Wir bekommen viel positives Feedback, wenn wir mit dem Fahrzeug vorfahren“, erklärt er. Es ist aber nicht allein das Image, das die E-Antriebe prägt. Reto Leutenegger von E-Force definiert es so: „Elektromobilität ist der Wechsel von Verbrennern zu alternativ angetriebener Mobilität auf Basis von Elektromotoren und Batterietechnik.“ Der Schweizer weiß, wovon er spricht. Sein Unternehmen baut seit Jahren klassische Nutzfahrzeuge mit Dieselantrieb des italienischen Herstellers Iveco zu E-Lkw um. 

Reto Leutenegger definiert weitere technischeVorteile der E-Mobilität: „Das System in sich ist mit einem Verbrenner vergleichbar. Wir haben aber die gleichen Fahrleistungen bei einem höheren Wirkungsgrad“. Dieser liegt bei Elektromotoren bei rund 80 Prozent. Das heißt, der Energieverbrauch ist gegenüber einem Verbrenner minimiert. Im Transportgeschäft kann ein E-Lkw somit wirtschaftlicher eingesetzt werden als ein Verbrennungsmotor. Hinzu kommen deutlich geringere CO2- und Stickstoffoxid-Ausstöße, bei denen kein Diesel mithalten kann.

Die Reichweite ist die größte Herausforderung

Der Hersteller verbaut je nach Größe der Fahrzeuge Energieträger mit 100 bis 340 KWh. Ein Vielfaches dessen eines E-Pkw, was auchentsprechend längere Ladezeiten bedeutet. Mit geladener Batterie kommt ein E-Force-Lkw rund 300 Kilometer weit. Aktuelle Tests einer Spedition in Berlin zeigen: Das kann reichen, wenn Touren entlang der Ladeinfrastruktur geplant werden. Dennoch stellt für viele Unternehmen, die über die Investition in E-Lkw nachdenken, die Reichweitenfrage ein Investitionshemmnis dar. „Für uns reicht das aktuell noch nicht“, so Christoph Helmke. „Dazu müssen wir unsere Touren zu flexibel planen“, erzählt Gorden Sauer, Berufskraftfahrer bei ZUFALL und Testfahrer des E-Lkw. Die fehlende Ladeinfrastruktur sei das eigentliche Problem, ergänzt Reto Leutenegger. Im Vergleich hierzu ist das europaweite Tankstellennetz konkurrenzlos. Der E-Hersteller fordert daher Investitionen in den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Unabhängig davon entwickeln die Hersteller die Batterietechnologien stetig weiter, um die Reichweite zu erhöhen. Auch hier kommt ein ökologischer Aspekt zum Tragen. Der CO2-Fußabdruck bei der Batterieherstellung ist nicht der grünste. Vor allem setzen Produzenten in Asien – wo eine große Zahl der Batterien herkommt – Kohlestrom ein. Das ist ein falscher Ansatz, so Leutenegger. Ein Kritikpunkt, mit dem umzugehen die Elektromobilität generell lernen muss. Auch der Strom, der die Batterien speist, muss ökologisch sein, um die E-Lkw kompromisslos grün zu machen. Sonst wird es nichts mit der passenden CO2-Bilanz.

Zukünftige Mobilität nur im Mix

Auf E-Antriebe zu setzen, ist politisch gewollt und nicht umzukehren. Neben E-Force und drei weiteren mittelständischen Unternehmen steigen auch die großen Hersteller MAN, Volvo und Daimler in den Ring. Letztere haben gemeinsam mit dem E-Actros aktuell eine Testphase mit verschiedenen Spediteuren und Logistikunternehmen gestartet. Das Verlangen, schnellstmöglich marktreife Fahrzeuge zu produzieren, stellt die großen Konzerne ebenso wie die kleinen Mittelständler vor schwierige Hausforderungen. Der Schweizer Lkw-Fachmann schränkt daher ein: „Es braucht einen Mix aus verschiedenen alternativ angetriebenen Fahrzeugen. Elektro, Gas, Wasserstoffzellen.“ Hinzu kommt eine für einen E-Profi vermeintlich überraschende Einschätzung: „Neben dem herkömmlichen Diesel.“ Dieser sei sehr effizient und gerade im Langstreckeneinsatz alternativlos. Ihn schlechtzureden und mit Fahrverboten zu bedrohen, sei der falsche Weg. Der Logistikmarkt allgemein wächst. Isolierte politische Einschränkungen dürfe es daher nicht geben, so Reto Leutenegger. Der wirtschaftliche Faktor müsse eine Rolle spielen. Eine Umsetzung reiner Elektromobilität laufe nicht ohne Fördermaßnahmen durch die Länder. Ein Blick nach Österreich zeigt es: Dort fördert der Klima- und Energiefonds aus Bundesmitteln das Forschungsprojekt Mega-WATT. Bis 2021 sollen mit E-Lkw (26-Tonnern) österreichweit nachhaltige Lösungen für einen emissionsneutralen Gütertransport in den Städten erarbeitet werden. Wichtig wäre es zudem, die Infrastruktur zu fördern, so Reto Leutenegger.

E-Force One AG

Die E-Force One AG konzentriert sich auf die Produktion von rein elektrisch betriebenen Lkw für den Verteiler- und Schwerlastverkehr. Das Schweizer Unternehmen ist überzeugt, dass die Lastwagen nicht nur emissionslos und leise, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können.

www.eforce.ch