Kundenportal myZUFALL

zurück

ZUFALL logistics group

Ein Blick in die Glaskugel

10.04.2019

Die Zukunft der Logistik ist abgefahren – würden wir das antike Orakel von Delphi heute nach seiner Prognose zur Branche befragen können, könnte seine Antwort womöglich so lauten. Das brächte uns freilich auch nicht viel weiter als die derzeit kursierenden Schlagwörter wie Digitalisierung, Big Data oder alternative Antriebe. Zunächst einmal können sie alles und nichts bedeuten. Wir wollen uns darum abseits der ausgetretenen Phrasen-Pfade auf die Suche nach einer Reihe von Entwicklungen machen, die die Zukunft der Logistik in den nächsten zehn Jahren entscheidend prägen können. Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wollen Schlaglichter auf einige Trends und deren Auswirkungen werfen. Es ist weniger eine Zeitreise, sondern vielmehr eine Einladung zu einem Perspektivwechsel, der bereits heute stattfindet.

Dass die Maschine die „souveräne Beherrscherin unseres gegenwärtigen Lebens ist“, schrieb der österreichische Schriftsteller Egon Friedell bereits 1912, also lange bevor es Computer und Industrieroboter gab. Wie viel verständlicher klingt dieser Satz in unserer heutigen technikfixierten Zeit. Immerhin ermöglicht dieser Fortschritt aber auch eine angenehmere Arbeitswelt, in der Maschinen dem Menschen viele schwere Tätigkeiten abnehmen, Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Computer und Internet haben den Handel revolutioniert und dezentralisiert – davon hat die Logistik profitiert. Der E-Commerce-Umsatz in Deutschland wird laut Einschätzung des Instituts für Handelsforschung (IFH) bis 2021 voraussichtlich auf 80,4 Milliarden Euro steigen. Im Jahr 2018 wurden Waren im Wert von rund 63 Milliarden Euro online verkauft. Schöne Aussichten, aber tatsächlich stoßen Logistiker bereits heute in vielen Städten an Grenzen, was die B2C-Zustellung angeht. Denn dem wachsenden Online-Handel steht eine Infrastruktur gegenüber, die dieser Entwicklung nicht gewachsen scheint. Einen möglichen Lösungsansatz bietet hier die sogenannte Sharing Economy.

Neue Ansätze für die letzte Meile

Ein zentraler Gedanke dabei ist, den Zustellprozess stärker zu demokratisieren: Crowd Delivery nennt sich das. Dabei informieren sich Privatpersonen auf einem Online-Portal via PC oder Smartphone über auszuliefernde­ Paketsendungen in ihrer Umgebung, bieten sich bei Interesse für die Zustellung an und holen die Sendungen an den Mikro-Depots des Logistikers ab. Dabei spielen jedoch rechtliche Überlegungen eine wichtige Rolle: Wer haftet für eventuelle Schäden, die bei der Auslieferung entstehen? Und wie lässt sich ein Netzwerk von Gelegenheitskurieren so engmaschig aufstellen, dass die Zustellqualität auf einem hohen, professionellen Niveau eingehalten werden kann? Derzeit gibt es darauf noch keine zufriedenstellenden Antworten. Aber immer mehr Start-ups versuchen sich an einer Lösung. Und wahrscheinlich werden in den nächsten zehn Jahren Logistikdienstleister mit einem vergleichbaren Konzept für die private Paketzustellung Erfolg haben. Die Potenzialanalyse der Universität zu Köln für den deutschen KEP-Markt kommt zu dem Ergebnis, dass Crowd Delivery vor allem für den lokalen Einzelhandel eine wichtige Möglichkeit ist, sich mit flexibler Zustellung und kürzeren Lieferwegen von den großen E-Commerce-Unternehmen abzuheben. Darüber hinaus werden in der Untersuchung Crowd-Delivery-Plattformen vor allem im urbanen Raum als potenzielle Kooperationspartner für Speditionen angesehen. Mit ihrer Hilfe ließen sich zum Beispiel saisonale Auftragsspitzen wie in der Vorweihnachtszeit besser auffangen.

Lokal wird das neue Global

Immer mehr Verbraucher ziehen unverpacktes Obst und Gemüse aus der Region den Angeboten vom Discounter vor. Regionale Produzenten erleben eine echte Renaissance, weil Konsumenten immer stärker darauf achten, unter welchen Arbeitsbedingungen und mit welchen Umweltauswirkungen Waren hergestellt werden. „Local for local“ nennt sich dieser Trend. Befeuert wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch die aktuellen politischen Entwicklungen: Immer mehr Staaten sehen in isolationistischen Tendenzen die Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung. Das Ausscheiden von Großbritannien aus der Europäischen Union ist dafür ebenso kennzeichnend wie die Einführung von Schutzzöllen auf zahlreiche Produkte in den USA. Hält dieser Trend an, werden sich Produktionsstandorte noch stärker als bislang verlagern. Bestes Beispiel dafür sind Modefirmen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey verlagern diese ihre Textilproduktion derzeit vermehrt von China und Südostasien nach Europa. Moderne Fabriken mit einem hohen Automatisierungsgrad ermöglichen eine kosteneffiziente Produktion im Zielmarkt. Die Unternehmensberatung schätzt, dass in den kommenden zehn Jahren bis zu 70 Prozent der Arbeitszeit bei der Herstellung durch Automatisierung eingespart werden. Zudem sind mit der Verlagerung kürzere Transportzeiten verbunden: Statt 30 Tagen im Schiff sind Kleidungsstücke nun nur noch drei bis sechs Tage mit dem Lkw unterwegs. Durch die kürzere Lieferkette können die Produzenten schneller auf Trends reagieren. Für Logistiker bedeutet diese Entwicklung, dass die räumliche Nähe zu den Kunden noch stärker als bislang zum ausschlaggebenden Faktor für die Zusammenarbeit wird. Wie schnell kann Material für eine kurzfristige Auftragsspitze beschafft und geliefert werden? Damit zusammenhängend werden die Anforderungen an die Transparenz in der Lieferkette weiter steigen.

Die vorweggenommene Bestellung

Angenommen, ein Kunde kauft über den Zeitraum von mehreren Monaten in regelmäßigen Abständen Verbrauchsmaterial für seinen heimischen Drucker bei einem Online-Versandhändler. Wie schnell die Ware bei ihm ist, hängt in erster Linie davon ab, in welchen Lagern die Produkte bei der Bestellung vorrätig sind. In Zukunft soll sich das ändern: Eine künstliche Intelligenz wertet die Bestellvorgänge des Kunden aus, erkennt ein wiederkehrendes Muster und lässt die Ware in Erwartung der anstehenden nächsten Bestellung bereits rechtzeitig in das Versandzentrum in der Nähe der Zieladresse bringen, damit sie im Bestellfall schneller zugestellt werden kann. Dieses Prinzip des „Anticipatory­ Shipping“ hat sich Amazon patentieren lassen. Der Vorteil für die Kunden liegt in extrem verkürzten Lieferzeiten. Vorstellbar ist sogar, die Waren bis zur Bestellung auf verschiedene Mikro-Lager verteilt vorzuhalten, um so eine Zustellung innerhalb weniger Stunden zu ermöglichen. Die Grundlage dafür bieten die über die Kunden gesammelten Daten, aus denen sich Rückschlüsse auf ihr Kaufverhalten ziehen lassen. Die damit ermöglichten längeren Cut-off-Zeiten sind für den B2B-Bereich interessant. Die Datenqualität von Logistikern ist heute bereits so gut, dass sich dieser Ansatz weiterentwickeln ließe. Dazu werden allerdings neben den Analysetools auch wesentlich mehr Lager in Kundennähe benötigt. In zehn Jahren könnte diese Art der prognostizierten Bestellung bereits ebenso zum Standard gehören wie der 3D-Druck von Ersatzteilen, die besonders schnell gebraucht werden.

Lager, die sich selbst verwalten

Eine wichtige Voraussetzung für diese Form der vorweggenommenen Bestellungen sind stets korrekte Lagerbestände. Heute ist die Inventur häufig noch sehr zeitaufwändig. Doch es gibt bereits Ansätze, diesen Ablauf zu automatisieren. Zukünftig surren dann Drohnen durch ein Lager und prüfen die Bestände. Wenn zusätzlich autonome Flurförderzeuge Paletten ein- und ausräumen und Roboter die Kommissionierung vielfältig dimensionierter Artikel übernehmen, erhöht das die Effizienz im Lager zusätzlich. Alles funktioniert autonom, gesteuert von einer zentralen künstlichen Intelligenz, die Daten auswertet und auf dieser Grundlage Entscheidungen trifft. Einiges davon ist heute schon Realität, wie zum Beispiel der Einsatz von autonomen Flurförderzeugen. In zehn Jahren werden sie eine Selbstverständlichkeit sein. Auch Drohnen werden bereits in Lagern eingesetzt – ZUFALL hat diese Technik jüngst bei der Inventur im Logistik Center­ Fulda getestet. Ob Roboter die Kommissionierung oder das Picking innerhalb der nächsten zehn Jahre vollständig übernehmen werden, ist schwer einzuschätzen. Die sichere­ Identifizierung von verschiedenen Artikeln sowie das Greifen und Verpacken sind Tätigkeiten, die der Mensch auf absehbare Zeit noch schneller handhaben wird. Pick-by-Voice oder Datenbrillen erhöhen dabei die Kommissionierleistung und sorgen zugleich für weniger Fehler.

Nachhaltigkeit

Ein roter Faden zieht sich durch alle Trends: Produkte und Dienstleistungen werden zukünftig viel stärker als bislang an ihrem Ressourcenverbrauch gemessen – von der CO2-neutralen Zustellung dank Elektrofahrzeugen über kompostierbare Verpackungsmaterialien bis hin zu kürzeren und effizienteren Lieferketten. Die Logistik bereitet sich bereits heute darauf vor, indem sie innovative Ansätze erprobt und gemeinsam mit Kunden dort umsetzt, wo es sinnvoll ist. Im sogenannten z.lab forscht ZUFALL deshalb bereits heute an Konzepten für die Logistik von morgen. Der Wissens-Hub konzentriert sich dabei auf die Praxistauglichkeit von Themen von morgen abseits des Tagesgeschäfts – kein modernes Orakel von Delphi also, sondern eine echte Zukunftsschmiede.

 

Zwei Whitepaper des Fraunhofer-­Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) beleuchten die Zukunft der Logistik zum einen hinsichtlich der Planung und Steuerung von Wertschöpfungsketten und zum anderen im Hinblick auf die Herausforderungen der Mensch-Maschine-Interaktion in der Intralogistik.

Hier gelanden Sie zum Download des Whitepapier 01
Hier gelanden Sie zum Download des Whitepapier 02

www.iml.fraunhofer.de