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90 JAHRE ZUFALL

Der Mensch macht die Logistik

Es sind die Menschen, die ein Unternehmen zu dem machen, was es ist. Ihr Engagement und ihr Wille, sich weiterzuentwickeln, sind die Triebfedern für den wirtschaftlichen Erfolg. Dass ZUFALL heute sein 90-jähriges Bestehen feiern kann, verdankt der Logistiker vor allem ihnen. Deshalb geht es zu Beginn des dreiteiligen Rück- und Ausblicks in dieser und den folgenden Ausgaben des ZUFALL Reports zunächst um sie – von der Gründerzeit und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren über das Wirtschaftswunder bis hin zu Mauerfall und Millennium.

In den „Goldenen Zwanzigern“ herrscht eine spürbare Aufbruchsstimmung in Deutschland. Zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs schöpfen viele Menschen Hoffnung. Die Wirtschaft blüht nach langen Jahren der Inflation dank Finanzhilfen aus den USA wieder auf. Und der technische Fortschritt schreitet rasant voran: Mit Luftschiffen und Flugbooten wird der Atlantik nonstop überquert, in den Kinos verdrängt nach und nach der Ton- den Stummfilm. Um am Fortschritt teilzuhaben, drängen die Menschen vom Land in die Städte, in denen auch das kulturelle Leben aufblüht. In dieser Zeit gründet Friedrich Zufall 1928 sein eigenes Fernverkehrsunternehmen in Kassel. Und das ist mit viel harter Arbeit verbunden: Waren werden in Holzkisten, Fässern oder Säcken transportiert und gelagert. Paletten und Gabelstapler gibt es noch nicht. Und wenn es viel zu tun gibt, packt auch der Chef selbst kräftig mit an. Weil Güter häufig nur für lokale Unternehmen gelagert werden und die Transportwege kurz sind, reichen Pferdefuhrwerke völlig aus. Wer Waren über längere Strecken transportieren will, nutzt dafür die Bahn. Autos und Lkw sind in Deutschland zu dieser Zeit – anders als in den USA – auch in den Großstädten noch längst nicht selbstverständlich. Trotzdem investiert der Unternehmer in die motorisierten Transporter, um den „Hessischen Fern-Verkehr Friedrich Zufall“ zukunftssicher aufzustellen. Das gelingt trotz der nur ein Jahr später einsetzenden Weltwirtschaftskrise. Harte Arbeit prägt die Aufbauarbeit der Gründerjahre. Ohne den tatkräftigen Einsatz aller Beschäftigten wäre diese Entwicklung undenkbar gewesen. Friedrich Zufall weiß das und setzt darum von Beginn an auf eine menschliche Unternehmenskultur. Ein fairer Umgang mit den eigenen Mitarbeitern ist in dieser Zeit keineswegs selbstverständlich. 

Als Friedrich Zufall 1946 stirbt, übernimmt Gerhard F. Müller das Unternehmen vom kinderlosen Gründer. In einer Festrede 1953 erinnert er an die harten Zeiten: „Mit zähem Willen hat Herr Zufall die Betriebe Kassel und Göttingen über den Krieg gebracht.“ Er dankt ausdrücklich allen langjährigen Mitarbeitern für ihren Einsatz. Und er unterstreicht den Stellenwert jedes Einzelnen im Unternehmen: Für ihn ist die Belegschaft Träger des wirtschaftlichen Erfolgs, gerade in schwierigen Zeiten. In diesem Sinne setzt Gerhard F. Müller den von Friedrich Zufall eingeschlagenen Weg fort.

 

Voller Einsatz für das Wirtschaftswunder

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erfordert Optimismus und Willenskraft. Weil das Unternehmen in dieser Zeit vor allem Lageraufgaben übernimmt, aber nur wenige Angestellte hat, packen alle mit an. Zum Beispiel wenn es darum geht, schwere Eimer mit Rübensaft für einen regionalen Lebensmittelgroßhandel in Göttingen einzulagern. Vom Fahrer bis zum Geschäftsführer bilden alle eine Kette, um die Eimer zügig in den Keller zu laden. Gegenseitige Hilfe und Respekt bilden auch in dieser Zeit die wesentlichen Pfeiler für die weitere Unternehmensentwicklung. Diese Werte verkörpert Gerhard F. Müller: Er kennt alle Mitarbeiter mit Namen und begrüßt jeden persönlich, den er auf dem Firmengelände trifft.

Nach wie vor werden Güter in Kisten, Säcken und Fässern transportiert. Und ZUFALL wächst beständig. Der ehemalige Geschäftsführer Richard Israel erinnert sich in der ZUFALL-Biografie: „Jede Mark, die ein Unternehmer in dieser Zeit einnahm, hat er buchstäblich am nächsten Tag wieder investiert. Privaten Konsum gab es nicht, solange sich die Firma entwickeln musste.“ Das gelingt in den Wirtschaftswunderjahren: In Göttingen und Fulda zieht ZUFALL in größere Immobilien um und beschäftigt insgesamt weit über 100 Mitarbeiter. Dabei ist noch immer viel Handarbeit gefragt: Bei jeder Tour hilft ein Beifahrer beim Be- und Entladen der Fahrzeuge. Auf Paletten wird – wenn überhaupt – erst im Lager geschichtet.

 

Mit Rat und Tat für die Kunden

Neben der rein speditionellen Tätigkeit versetzen sich die ZUFALL-Mitarbeiter mit den wachsenden Anforderungen immer stärker auch in die Rolle ihrer Kunden. Sie werden zu Kundenberatern, indem sie sich Know-how aneignen, das den gesamten logistischen Prozess beschleunigt. Zum Beispiel: Welche Gefahrgutbestimmungen gelten für den Transport bestimmter Warengruppen? Wie lassen sich Exportgüter bereits im Inland verzollen und nicht erst an der Grenze? Zur Kundenorientierung gehört für ZUFALL vor allem der regelmäßige persönliche Austausch. Der ehemalige Niederlassungsleiter von Fulda, Georg Grummann, erinnert sich in der ZUFALL-Biografie an die 50er Jahre: „Neben der Akquise per Telefon war früher entscheidend, dass wir immer wieder mit den Fahrern mitfuhren und Kontakt zu den Versandleitern suchten, also die persönliche Beziehung.“ Aus der reinen Geschäftsbeziehung wächst so ein langjähriges Vertrauensverhältnis. Und bei den Kunden rücken ihre Ansprechpartner sichtbar ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wie ein beliebter ZUFALLFotokalender aus den 70er Jahren zeigt. Darin präsentieren sich die Mitarbeiter in ihrem beruflichen Element. Und die Kunden erfahren mehr über die Abläufe, die mit dem Transport und dem Lagern ihrer Waren verbunden sind. Technische Hilfsmittel wie Hubwagen und Gabelstapler, später auch moderne Flurförderzeuge erleichtern zudem die schwere Arbeit beim Ver- und Umladen.

Nach dem plötzlichen Tod seines Stiefvaters übernimmt der damals 30-jährige Dr. Gerhard Müller 1968 die Geschäftsführung. Unter seiner Führung entwickelt sich das Unternehmen weiterhin hervorragend: 1976 beschäftigt ZUFALL bereits rund 450 Mitarbeiter, 20 Jahre später sind es mehr als 1.200.

 

Alles wird GUT

Mit der Wiedervereinigung wächst die Zahl der ZUFALL-Mitarbeiter rasch von 600 auf 900. Wohin wird diese Entwicklung führen? Und wie lässt sich die wachsende Belegschaft in unterschiedlichen Niederlassungen zusammenhalten? Die Antwort darauf liefert die Einleitung des GUT-Prozesses 1992: ganzheitliche Unternehmensentwicklung im Team. Er bündelt alle positiven Elemente zur Motivation und Mitarbeiterförderung im Unternehmen und entwickelt sie kontinuierlich weiter: Der Teamgeist wird dabei ebenso gestärkt wie die Eigenverantwortung der Zufaller. „Diese Entscheidung war für das Unternehmen ein Quantensprung“, erinnert sich Dr. Gerhard Müller in der ZUFALLBiografie. „Hierarchien wurden verflacht, Entscheidungsprozesse beschleunigt.“

Die Bausteine, die GUT heute ausmachen – persönliche Kundenbetreuung, gelebte Nachhaltigkeit, menschliche Unternehmenskultur und überzeugende Logistikleistungen –, haben in der 90-jährigen Geschichte des Familienunternehmens immer eine Rolle gespielt. Peter Müller-Kronberg, Sohn von Dr. Gerhard Müller und heute geschäftsführender Gesellschafter von ZUFALL, erklärt: „Sie bieten ein solides Fundament, um den Menschen im Unternehmen das Gefühl zu geben, dass ZUFALL auch für die Zukunft gut aufgestellt ist.“

 

Bereit für künftige Herausforderungen

Mit Peter Müller-Kronberg leitet nun die dritte Generation das Familienunternehmen. Er sieht ZUFALL bestens für die kommenden Herausforderungen aufgestellt. Die Kundenwünsche und Geschäftsprozesse ändern sich mit großer Dynamik und das spornt zur Weiterentwicklung an. „Unsere Kunden verändern sich und wir verändern uns mit ihnen. Wir begegnen den ständigen Herausforderungen mit Mut und Kompetenz“, betont er und ergänzt: „Damals wie heute setzen wir vor allem auf ein starkes Team.“